Q3 Formale Sprachen

Die Sprache der Emoticons

Lösung geprüft

Die Aufgabe der heutigen Stunde ist die Sprache der Emoticons! Nach dem Backofen jetzt etwas, das man wirklich jeden Tag benutzt. Emoticons haben nämlich auch ein Alphabet und Regeln – nur schreibt die niemand auf.

Die Aufgabenstellung lautet

Emoticons werden oft in SMS und E-Mails benutzt, um emotionale Zustände zu beschreiben.

a) Ergänze die Bedeutung der Zeichenfolgen in der Tabelle.
b) Welche „Bausteine" werden zur Konstruktion von Emoticons benutzt? Gib ein Alphabet zur Sprache der Emoticons an.
c) Gib Beispiele für Zeichenfolgen an, die aus den in b) aufgelisteten Bausteinen bestehen und – nach derzeitigem Stand – wohl nicht zur Sprache der Emoticons gehören.

a) Die Tabelle

ZeichenfolgenBedeutung
:-) :) =) :] :> :c) x) :o)lächeln, Freude (vorgegeben)
:-( :( =( :[ :< :/ x( :o( :CTraurig
:'( :'CWeinend
;-) ;) ;] ;o)Schmunzeln
:-P :b :p =P :P xP ;-P :oPSpaßig
:-D ;D :D =D xD XD :oDSehr glücklich
:-0 :-o :o =O :0 =oVerwundert, geschockt

Man erkennt schnell ein Muster: die Zeichenfolge steht für ein um 90 Grad gedrehtes Gesicht. Vorne die Augen, in der Mitte optional die Nase, hinten der Mund. Das D ist ein weit offener lachender Mund, das P eine herausgestreckte Zunge, das Semikolon ein zwinkerndes Auge.

b) Das Alphabet

Σ = { :, ;, -, o, x, X, =, ', ), (, ], [, }, {, c, C, /, <, >, p, P, D, b, 0, o, O }

Das sind genau die Zeichen, die in den Beispielen oben vorkommen – und nur die. Ein Alphabet enthält nicht alle denkbaren Zeichen, sondern die, die für diese Sprache gebraucht werden.

Die Bausteine dahinter

Interessanter als die reine Liste ist, dass sich die Zeichen in drei Gruppen sortieren lassen:

BausteinZeichen
Augen: ; = x X 8
Nase (optional)- o '
Mund) ( ] [ } { D P p b C c / < > 0 O o

Und damit hat man auch gleich die Bildungsregel: ein Emoticon besteht aus Augen, optional einer Nase, und einem Mund – in genau dieser Reihenfolge.

Emoticon = Augen [Nase] Mund

:  -  )      Augen : , Nase - , Mund )
:     D      Augen : , keine Nase, Mund D
;  o  )      Augen ; , Nase o , Mund )
flowchart LR
    S(("Start")) --> A["Augen<br>: ; = x X"]
    A --> N["Nase, optional<br>- o '"]
    A -->|ohne Nase| M
    N --> M["Mund<br>) ( ] [ } { D P p b C c / &lt; &gt; 0 O o"]
    M --> E(("fertig"))
Wie ein Emoticon aus seinen Bausteinen zusammengesetzt wird

Das ist derselbe Gedanke wie beim Backofen: nicht jede Zeichenfolge aus dem Alphabet ist ein gültiges Wort. Die Reihenfolge entscheidet.

c) Zeichenfolgen, die keine Emoticons sind

:{     :}     :-X     ^^
FolgeWarum sie (noch) nicht dazugehört
:{ und :}Aufbau stimmt – Augen und Mund –, aber die geschweiften Klammern sind als Mund nicht gebräuchlich. Die Bedeutung wäre unklar.
:-XAlle Zeichen sind im Alphabet, der Aufbau passt. Das X steht hier aber für einen zugenähten Mund – eine Bedeutung, die in der Tabelle nicht vorkommt.
^^Das ^ ist gar nicht im Alphabet. Es ist ein japanisches Emoticon, das in eine andere Sprache gehört – und es wird nicht gedreht gelesen.

Der Nachsatz „nach derzeitigem Stand"

Die Formulierung in der Aufgabe ist mit Absicht so vorsichtig. Anders als beim Backofen ist die Sprache der Emoticons nämlich nicht festgelegt. Es gibt kein Gremium, das entscheidet, was ein gültiges Emoticon ist – es entsteht durch Gebrauch.

:-X war vor zwanzig Jahren unbekannt und ist heute geläufig. Genauso könnte :{ in fünf Jahren üblich sein. Bei einer natürlich gewachsenen Sprache ist die Menge der gültigen Wörter also unscharf und veränderlich.

Genau darin liegt der Unterschied zu einer formalen Sprache: dort ist durch die Regeln eindeutig festgelegt, welche Wörter dazugehören und welche nicht. Ein Java-Compiler kann nicht darüber diskutieren, ob eine Zeile vielleicht doch gemeint war. Bei Emoticons entscheidet der Empfänger.

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